Rechberghausens Bürgermeisterin Claudia Dörner nahm am Mittwochabend einen großen Packen Hausaufgaben mit nach Hause. Aufgegeben unter anderem von einem guten halben Dutzend Schülern, die in der Mensa der Schurwaldschule an einem „runden Tisch“ teilnahmen, um mehr und bessere Möglichkeiten für Jugendliche in der Gemeinde zu ­finden.

Vorausgegangen waren zwei Veranstaltungen im Frühjahr und Sommer, an denen Erwachsene und Jugendliche teilgenommen und ihre Ideen skizziert hatten. Brainstorming war damals wie heute gefragt, ohne zunächst Finanzier- und Realisierbarkeit zu berücksichtigen, wie Moderator Tobias Klopfer vom Kreisjugendring betonte. Und so kamen seinerzeit Ideen auf wie ein Freibad für Rechberghausen, ein „Bürger King“ oder auch eine „Rolltreppe zur Schule“. Diese auf großformatigen Bögen notierten Gedanken hingen überall in der Mensa verteilt.

Gut zwei Dutzend Teilnehmer, Kinder, Jugendliche und Erwachsene waren der Einladung vom Kreisjugendring gefolgt, um Ideen zu entwickeln, die den Ort attraktiver machen könnten. Darunter war auch der Wunsch nach mehr Beteiligung von Jugendlichen. Die Diskussion am Tisch mit Bürgermeisterin Claudia Dörner ging in Richtung eines „Jugendgemeinderats“, ohne ihn so zu benennen. Denn „Jugendgemeinderat“ wirkt auf die Jugendlichen eher abschreckend als motivierend, stellte sich schnell heraus. Bei den Jugendlichen ist dann noch die Zeit zur berücksichtigen: „Ich könnte es vielleicht ein Jahr machen“, sagte ein Schüler. Dann müsse er sich auf sein Abitur vorbereiten.

Dagegen wussten die beiden 14 Jahre alten Schülerinnen Cenedra und Larissa ziemlich genau, was sie wollen: „Verschiedene Sportplätze für Volleyball, Handball, Basketball, Fußball, einen Jumppark, einen Skaterplatz. Eine neue Eisdiele wäre auch nicht schlecht.“

„Aber schön wäre es“

Am meisten aber fehle ein möglichst zentral gelegener Jugendraum: „Er muss auch nicht jeden Tag aufhaben. Aber schön wäre es. Wichtig wäre halt an den Wochenenden und in den Ferien.“

Dabei wollen die beiden Mädchen, die bereits am ersten „runden Tisch“ teilgenommen hatten, die Erwachsenen nicht komplett aussperren. Die könnten ja beispielsweise mit den Besuchern des Jugendraums einen Koch- oder Backkurs absolvieren.

Derzeit halten sich Larissa und Cenedria hauptsächlich in Göppingen auf, wo sie auch zur Schule gehen. Sie erwarten allerdings, dass zahlreiche Mitschüler dann sogar nach Rechberghausen kämen, um den Jugendraum zu ­nutzen.

Es gab fünf thematische Schwerpunkte,die sich gliederten nach Vandalismus, Drogen/Polizeipräsenz, Ansprechpartner für Jugendliche, Beteiligung von Jugendlichen und Plätze für Jugendliche. Gegen den Graffiti-Vandalismus gab‘s auch gleich Vorschläge zu einer legalen Sprühfläche, die zur Verfügung gestellt werden könnte.

Für die Gemeinden, die an diesem Programm des Kreisjugendrings teilnehmen, sei es immer auch eine Herausforderung, sich auf die Jugendlichen und deren Wünsche einzulassen und sie umzusetzen, sagte Tobias Klopfer. In Rechberghausen besteht ganz offenbar die Absicht, sich mit dem Thema zu befassen: „Wir müssen sehen, was tatsächlich realisierbar ist“, sagte Claudia Dörner.

SWP_2.12.16

(Werner Schmidt SWP, 02.12.2016)